Wie es weitergeht…

Liebe Freund_innen des Landesarbeitskreis,

seit längerem ist hier nun nichts mehr passiert. Am Freitag, den 16.12.16, trafen sich darum die Mitglieder und Sympathisant_innen des LAK emanzipatorische Kritik in Jena um über die Zukunft des Landesarbeitskreises zu beraten.

Große Einigkeit bestand darin, das emanzipatorisches Engagement in den Jugendverband hinein notwendig ist und wir darum weiter als Landesarbeitskreis aktiv bleiben wollen. Beschlossen wurde jedoch auch das Projekt unter einem neuen Namen fortzusetzen. Der Landesarbeitskreis trägt darum fortan den Namen LAK [’sisyphos]. Auch wurde beschlossen, die bisherige Grundsatzerklärung des LAK eK zu verwerfen und ein neues Manifest zu verfassen. Die Einleitung dafür wurde bereits auf dem Treffen entworfen.

Aufgrund der Änderungen stellen wir diesen Blog hier ein. Fortan könnt Ihr Euch über unsere Arbeit auf unserem neuen Blog informieren: http://sisyphos-thueringen.blogspot.de/

Wir danken Euch für Euer Interesse an unserer bisherigen Arbeit und hoffen, dass die Umbenennung daran keinen Abriss tut.

Mit emanzipatorischen Grüßen,

Euer LAK [’sisyphos]

Antwort auf die Resolution »Linke Grundprinzipien verteidigen! Nein zu Kriegsrechtfertigung, Islamophobie und pro-kapitalistischen Positionen!« der Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz

Mit großem Bedauern nehmen wir die Resolution „Linke Grundprinzipien verteidigen! Nein zu Kriegsrechtfertigung, Islamophobie und pro-kapitalistischen Positionen!“ der Linksjugend [’solid] Rheinland-Pfalz zur Kenntnis. Traurig stimmt uns dabei nicht nur die Tatsache, wie hier durch die Genoss_innen versucht wird „Kritik“ zu üben, sondern auch die augenscheinliche Ahnungslosigkeit der Autor_innen vom behandelten Thema. Angesichts der Debatten, die diese Resolution dennoch auch im Landesverband Thüringen auslöste, sehen wir uns dazu veranlasst, auf dieses Pamphlet zu reagieren.

Alles Antideutsche außer Mutti?

Zunächst einmal wollen wir dabei klären was es mit dem Begriff „antideutsch“ überhaupt auf sich hat. „Antideutsch“ ist heute nämlich vor allem eine Fremdbezeichung. Gemeinhin gilt: Du bist nicht antideutsch, du wirst zum Antideutschen gemacht, bzw. der/die Andere bestimmt, ob du antideutsch bist oder nicht. Wie bereits von der Linksjugend Rheinland-Pfalz einleitend richtig festgestellt wurde, war die politische Linke zu keiner Zeit in ihrer Geschichte jemals homogen. Selbiges gilt auch für die Linken, die von anderen gerne mit dem politischen Kampfbegriff des „Antideutschtums“ belegt werden. Bezeichnete der Begriff anfangs noch Linke, die erkannten, dass der Faschismus eine Massenbasis besitzt (wodurch er nicht einfach nur eine verschärfte Form der Klassenherrschaft darstellen kann) und daher im Zuge der deutschen Wiedervereinigung auf die spezifischen Gefahren des deutschen Nationalismus aufmerksam machten, dient er jetzt oftmals nur noch als – abwertend verstandener – Sammelbegriff für undogmatische Linke, welche die antiimperialistischen/traditionslinken Dogmen hinterfragen. So werden oft israelsolidarische Linke, Wert- und Ideologiekritiker_innen und Reformsozialist_innen gemeinsam als „Antideutsche“ bezeichnet und das obwohl diese nicht einmal unbedingt viel miteinander gemeinsam haben müssen. Dadurch wird deutlich, dass der Begriff heute so gut wie nichts mehr mit seiner ursprünglichen Bedeutung zu tun hat und nur noch als Kampfbegriff zur Projektion des „inneren Feindes“ fungiert. Schon allein deswegen lehnen wir vom Landesarbeitskreis emanzipatorische Kritik die Eigenbezeichnung „antideutsch“ ab und werden den Begriff im Folgendem – wenn überhaupt – nur noch in Anführungszeichen verwenden.

Warum der Rassismusvorwurf Quatsch ist.

Oft wird der Fehler begangen, eine „antideutsche Kritik“ auf ein Eintreten für Israelsolidarität zu reduzieren. Aus unserer Perspektive gilt es zu Israel eine kritische Solidarität zu halten, weil Israel verfolgten Jüdinnen und Juden einen Schutzraum vor Antisemitismus bzw. der möglichen Vernichtung bietet. Dementsprechend ist unsere Solidarität mit Israel keine bedingungslose, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit, Schutz vor Antisemitismus bieten zu können. Wirklich traurig finden wir dabei, dass man sich eigentlich nur in Europa umschauen müsste um diese Notwendigkeit zu erkennen. Denn wagt man den Rundumblick, dann sehen wir Angriffe auf Synagogen in Frankreich, mehrere sogenannte „Free Gaza“ Demonstrationen in Deutschland auf denen Antisemitit_innen jeglicher Coleur gemeinsam marschieren, sowie die alltägliche Diskriminierung von Juden, Roma, Sinti und anderen Minderheiten durch die faschistoide Regierung in Ungarn und so weiter und so fort. Diese Auflistung von Ereignissen aus der letzten Zeit könnte dabei noch viel weiter gehen. Alles in Allem erübrigen sich unserer Meinung nach dadurch jedwede weitere Ausführungen zur Verteidigung der Existenz eines jüdischen Schutzraumes.

Wirklich spannend wird es in der Stellungnahme jedoch dort, wo die Behauptung aufgestellt wird, dass der angebliche, „aggressive Islamhass“ der „Antideutschen“ zu einer Ethnisierung der Debatte beiträgt und selbst schon die Tendenz zum Antisemitismus hätte. Ein paar Gedanken dazu: Wer den Islam als Phänomen einer Ethnie begreift bzw. denkt, dass man ihn ethnisieren könnte, sollte mal einen Blick auf die Weltkarte der Religionen werfen und sich fragen, wie man auf die Idee gekommen ist, der Islam sei etwas, was allein auf den Nahen und Mittleren Osten reduziert werden könnte – das jedoch nur nebenbei. Entgegen der konservativen Sichtweise, die diese Konflikte zu einem Kampf der Kulturen heraufbeschwört, wollen wir darauf aufmerksam machen, dass nicht der Islam an sich, sondern spezifische politische Systeme und Weltanschauungen auch durch eine politische Linke kritisiert werden müssen. Und siehe da: Entgegen eurem Vorwurf solidarisieren wir uns mit genau den Kräften vor Ort, die wissen, wie reaktionär z.B. die Hisbollah, Hamas oder der Islamische Staat sind und sie darum aktiv bekämpfen. Das Wissen darüber, warum das rassistisch oder antisemitisch sein soll, wird wohl nur euch vorbehalten bleiben. Wogegen wir vom Landesarbeitskreis emanzipatorische Kritik uns allerdings aussprechen, ist das, was den Begriff des Kulturrelativismus prägt, nämlich die Überzeugung, dass die Lebensumstände von Menschen nicht losgelöst von ihrem kulturellen Hintergrund zu beurteilen sind. Aus dieser Überlegung entsteht nämlich nicht selten eine neue Form von Rassismus, die sich links aufputzt und dabei verkennt, dass Menschenrechte und Emanzipation universell sind. Denn nur weil ein Mensch aus dem arabischen Raum stammt, bedeutet dies nicht, dass die Scharia die für ihn kulturell angemessene Regelung des menschlichen Zusammenlebens wäre. Somit strebt unsere Kritik immer auch ein Weltbild an, dass alle Menschen unabhängig ihrer Kultur in den Kommunismus integrieren will.

Warum nicht jede Kritik am Kapitalismus gut ist.

Mit der Bemerkung, dass „Antideutsche“ Kritik an Banken und Konzernen als regressiven Antikapitalismus zurückweisen, habt ihr immerhin den Nagel auf den Kopf getroffen. Wie an so vielen anderen Stellen, könnte dem Jugendverband eine Debatte, wie man die Marx’sche Kritik der politische Ökonomie zu verstehen hat, gut zu Gesicht stehen. Versteht uns nicht falsch: Niemand, der/die Links ist, sollte unseres Erachtens ein Marxstudium abgeschlossen haben. Wenn es aber um die Frage nach der Kapitalismuskritik geht, können wir einiges von Marx lernen. Denn die Kritik an Banken und Konzernen schließt einige Annahmen ein, die sich mit einer radikalen Kapitalismuskritik beißen. Zum einen wird bei einer solchen Kritik das moralisch fragwürdige Verhalten des Managements bzw. der Investor_innen an den Pranger gestellt. Folglich unterstellt man solchen Akteur_innen also, dass sie auch die Möglichkeit gehabt hätten „moralisch richtig“ zu handeln. Eine andere Annahme, die sich auch häufig hinter der Kritik an Banken und Konzernen versteckt, ist die Unterscheidung zwischen dem „guten“ und dem „schlechten“ Kapital, wobei natürlich ersteres gegengenüber letzterem zu verteidigen sei. Faktisch ist so ein Zugang zur Kapitalismuskritik daher nichts anderes als eine kleinbürgerliche Kritik, welche den Weg zur befreiten Gesellschaft in etwa so sehr ebnet, wie es hilft der Hydra die Köpfe abzuschlagen um sie zur Strecke zu bringen.
Wir vertreten die Ansicht, dass der Kampf für eine bessere Welt jenseits von Staat, Nation und Kapital nur mit einer umfassenden Kritik an den bürgerlichen Verhältnissen vonstatten gehen kann. Auch hier ein Wort zur Praxis mancher eher traditionalistischen Gruppierungen. Man muss sich entscheiden: Entweder peitscht man „die Massen“ auf ein Feindbild bzw. „Schuldige“ ein oder man kritisiert das System. Beides zusammen geht nicht. Dass „Antideutsche“ dabei die bürgerliche Gesellschaft vor progressiven Umwälzungen in Schutz nehmen würden, ist mindestens albern, da in solchen Zusammenhängen Konsens darüber herrscht, dass das Potential zur „Barbarei“ in der bürgerlichen Gesellschaft bereits angelegt ist. Und ja, wir wollen „sozialistische Wertvorstellungen“ über Bord werfen. Als sich Marx und Engels zusammengesetzt haben, um die Grundlagen für einen wissenschaftlichen Sozialismus zu legen, haben sie das gegen Utopismus und Moralismus gemacht. Denn Emanzipation speist sich nicht aus einem Moralsystem oder einer geteilten Utopie, sondern aus der Veränderung der Verhältnisse, die erst ein anderes Miteinander ermöglicht. Wie dieses Miteinander aussieht kann noch niemand wissen – sicher ist aber, dass es nicht bei einer Sitzung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz am Reißbrett entworfen wird. Was auch immer daher eine „sozialistische Wertvorstellung“ sein soll, steht also entgegen einer Kritik an den Verhältnissen und dem Versuch nachzuweisen, dass das Elend auf dieser Welt notwendigerweise aus dem Kapitalismus entspringt.
Das „Ziel aller Linken“ müsste also auch sein, darauf aufmerksam zu machen, dass Moralapelle an Einzelne, sich doch eher nach euren sozialistischen Werten zu verhalten, kein Teil einer Systemkritik sein können. Ihr wollt den Kommunismus? Wir auch! Aber da 20 Menschen im Landesverband Rheinland-Pfalz noch nicht ganz die revolutionäre Massenbewegung darstellt, sollten wir uns lieber Gedanken machen wie wir uns in und gegen diese Gesellschaft, zu deren positiven Überwindung, einbringen. Aussagen wie „Wenn es keinen Kapitalismus mehr geben würde, dann gäbe es den Nah-Ost-Konflikt nicht mehr“ bringen uns leider nicht besonders weiter. Immerhin ist mit der Aussage, dass die Sonne scheinen würde wenn es denn nur gerade nicht bewölkt wäre, auch nocht nichts gesagt.

Wenn man sich zum Ziel gesetzt hat, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, man also eine ganz andere Welt erstreiten möchte, dann kann es nicht zu viel verlangt sein – wenigstens zu versuchen – sich mit linker Theorie und den bürgerlichen Verhältnissen adäquat außeinanderzusetzen. Resolutionen, wie die eure, bringen uns im Kampf um die befreite Gesellschaft nicht weiter. Wir hoffen sehr, dass ihr unsere Kritik annehmt, innerhalb des Verbandes diskutiert und eure bisherige Position reflektiert. Wir vom LAK emanzipatorische Kritik sind weiterhin für jeden Dialog zu haben, vorausgesetzt, dass die weitere Außeinandersetzung jenseits von einer Reproduktion von Feindbildern stattfinden kann.

Tagesworkshop: „Einführung in die Kritik des regressiven Antikapitalismus“ mit Olaf Kistenmacher

Samstag, 28.06.2014, ab 11:30, Jugend- und Wahlkreisbüro RedRoXX (Pilse 29), Erfurt

Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte. Dennoch ist nicht jede Kritik an der kapitalistischen Verwertungslogik per se fortschrittlich. So verstehen sich traditionell auch Faschist_innen als antikapitalistisch. Doch auch die politische Linke ist nicht immun vor fehlerhaften Analysen und reaktionären Lösungsstrategien.

Wie äußert sich nun eine regressive Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen und wie kann dem entgegnet werden? In einem fünfstündigen Tagesworkshop sollen diese Fragen gemeinsam mit Olaf Kistenmacher geklärt werden. Schwerpunkt wird dabei das Verhältnis von regressiven Antikapitalismus und (strukturellen) Antisemitismus sein.

Für dieses Seminar sind keine theoretischen Vorkenntnisse nötig. Anmeldungen zum Workshop sind per Mail an emak@solid-thueringen.de möglich (optional).

Olaf Kistenmacher lebt und arbeitet als Historiker in Hamburg. Er ist Mitglied des Villigster Forschungsforums zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e. V. und schreibt unter anderem für Jungle World, Konkret und Phase 2.

Die Veranstaltung wird gefördert durch den Freistaat Thüringen.

Link zur Facebookveranstaltung: https://www.facebook.com/events/1455734068006364/

»Die Rote Flora und ihre Proteste«

Am 18.02.2014 veranstaltete die Jenaer Gruppe Odysseus eine Podiumsdiskussion mit dem Titel »Alle für die Flora – Solidarität oder Aktionismus?« zu welcher auch der LAK emanzipatorische Kritik geladen war. Der hier ausformulierte Text entstand dabei nachträglich auf der Grundlage der Ausführungen unseres Vertreters auf dem Podium und stellt eine Diskussionsgrundlage dar. Viel Spaß beim Lesen!
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»Die Rote Flora und ihre Proteste«

Die Flora – Hort für die marodierenden Schauergestalten der RSH (Rote Szene Hamburg) und anderen antizionistischen und/oder vulgär-marxistischen Subjekten. Allein der Gedanken daran lässt einem nichts als Ekel empfinden. Dieses Bild, was bis heute viele progressive Linke und ideologiekritische Menschen von der Roten Flora haben, wird ihr jedoch nicht gerecht. Denn in den letzten Monaten hat sich einiges verändert – die antizionistischen Sprüche auf der Wand werden langsam aber sicher entfernt, diverse antisemitische und antizionistische Subjekte haben Hausverbot und die RSH will von der Flora nichts mehr wissen. Es wird gar davon gesprochen, die Flora sei nun ein „Hort der Zionisten!“. Voller Anerkennung und Freude blicken wir deshalb zur Flora. Die Veränderung hat – zumindest im Inneren der Flora – stattgefunden und findet noch immer statt. Es wäre falsch und in der Kritik verkürzt, die Flora als unbewegliches Etwas zu begreifen, vielmehr befindet sie sich seit jeher – nun nur umso deutlicher und klarer – in einem Prozess der Veränderung (und Emanzipation). Dass dabei der Transformationsprozess nicht immer cool ist, sich oftmals langsam – oder sogar mit Rückschlägen – entwickelt und nicht innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft sein Ende finden kann, ist hierbei kritisch zu berücksichtigen. So kann eine Kritik an der Flora nur punktuell sein, das Verhältnis zur Flora muss in einer gewissen Regelmäßigkeit reflektiert werden.


Definitiv keine Freund_innen mehr – Die „Antizionistische Aktion“ kommentiert eine Stellungnahme des Flora-Plenums.

Die Proteste rund um die Rote Flora sind Ausdruck von – über die Grenzen Hamburgs und Deutschlands hinausgehenden – Protesten gegen die Zerstörung von Räumen zur Entfaltung von linken Ideen und emanzipatorischer Arbeit, sowie der Gentrifizierungsproblematik. Für uns sind diese Proteste mehr als gerechtfertigt und umso mehr nachvollziehbar, da die regierende Hamburger SPD allen Anlass dazu gibt gegen sie und die Polizei (als sich bewiesener Repressionsapparat des Senats) auf die Straße zu gehen. Neben dem rassistischen Umgang mit geflüchteten Menschen in Hamburg äußert sich dies auch im Umgang mit den Mieter_innen der Esso-Häuser.
Es ist für uns dabei nur verständlich wenn sich Bewohner_innen von betroffenen Immobilien vor der Gentrifizierung ihrer Wohnungen sträuben. Immerhin sind damit oftmals infrastrukturelle, soziale, etc. Umstellungen (für die aktuellen Bewohner_innen aber eher Nachteile) verbunden, da die ursprünglichen Mieter_innen aus ihren alten Wohnungen gekündigt werden, um diese dann stark aufpoliert und für einen deutlich höheren Preis wieder an zahlungskräftigere Personen weiter zu vermieten. Günstigere Wohnungen liegen, da dieser Prozess allumgreifend und höchst dynamisch ist, dann meist weit außerhalb. Hinter der Kündigung der Mieter_innen aus den Esso-Häusern und der immer wieder aufkeimenden Debatte über eine Räumung der Roten Flora stehen letztlich eben auch ökonomische Interessen, immerhin wären diese Bauplätze wahre Goldgruben, wenn sie denn endlich von Menschen und Material geräumt wären. Nur zu gerne wird dies ausgeblendet. Nichtsdestotrotz: Gentrifizierung im Sinne der Aufwertung ist dennoch ein gerne zu unterstützendes Projekt, die Teilhabe daran darf jedoch nicht am eigenen Geldbeutel scheitern.
Neben den Esso-Häusern geht es in den Protesten hauptsächlich darum das Projekt „Rote Flora“ als Versuch eines linken Schutzraumes zu verteidigen. Auch das sollte unserer Meinung nach ein Ziel sein, mit dem sich grundsätzlich jedes progressive (linke) Individuum solidarisieren kann. Das heißt jedoch nicht, dass es sich im Umkehrschluss bei allen Akteur_innen, die sich in Hamburg als „links“ definieren und an den Protesten um die Flora partizipieren, automatisch um progressive Kräfte handelt, die unsere Solidarität verdienen. „Links-Sein“ zeichnet sich durch progressive Ansätze aus welche in Relation zum bestehenden System als solche qualifiziert werden müssen, sich aber noch deutlicher von jenen Ansätzen abgrenzen die hinter das System zurückfallen. Also alles was weniger die menschliche Freiheit, Gleichheit und Mündigkeit fördert als die bürgerliche Gesellschaft. Subjekte, die bspw. die Besucher des Claude Lanzmann Filmes „Warum Israel“ anspucken, als „scheiß Schwuchteln“ bezeichnen und die Aufführung letztlich gewaltsam verhindern – wie es Antiimperialist_innen aus dem Umfeld der RSH tatsächlich vor ein paar Jahren getan haben – zeigen damit recht deutlich, dass sie – mal vom roten Lack abgesehen – nicht ansatzweise den oben bestimmten Ansprüchen gerecht werden und demnach auch nicht als „links“ angesehen werden können.
Funktioniert diese Trennung in der Theorie noch relativ reibungslos gestaltet sich die Umsetzung in der Praxis jedoch schwieriger, da es prinzipiell jedem Individuum (egal ob „links“ oder nicht) freisteht bei diesen Protesten mitzuwirken. Wenn dann hierbei Polizeiwachen angegriffen werden und Bankfilialen zu Bruch gehen so ist dies kein Grund die Proteste im Allgemeinen zu verteufeln, sondern vielmehr ein Ausdruck dessen, dass es innerhalb des Protestes regressive Subjekte gibt, für die solche Taten Teil eines gelebten Antikapitalismus sind. Das ist zwar traurig, aber auch nicht so traurig, als das es außerhalb einer Theoriedebatte, angesichts der desolaten Situation der politischen Linken in Deutschland, Verwendung zur Kritik hat.
Denn wenn eine ganze Reihe progressiver Antifas aus ganz Deutschland, Antifa-Gruppen aus anderen (europäischen) Ländern und ekelhafte Gruppen wie die RSH auf einer Demo miteinander für die Flora kämpfen, so sind aus dieser punktuellen (!) Zusammenarbeit ganz sicher keine schwerwiegenden Konsequenzen zu befürchten. Weder wird es zu einer „Aussöhnung“ kommen, noch zur Weltrevolution. Dies erklärt sich auch bereits durch die Beschaffenheit der Zusammenarbeit – sie fängt bei der gemeinsamen Demonstration an und hört auch mit ihr auf. Ängste, diese Gruppen könnten sich wieder umgangsfähig(er) in linken Kreisen machen sehen wir insofern als unbegründet an, als dass es zum einen als sehr unwahrscheinlich gelten darf, dass ein kurzes gemeinsames Wirken die Meinungen plötzlich völlig umdrehen lässt, zum anderen jedoch bewiesen und beweisen die Mitglieder dieser antiimperialistischen Gruppen nur allzu oft und gerne, wie sie „drauf“ sind und was ihre Positionen sind.

Eine emanzipatorische Kritik muss daher eine kritische Solidarität mit der Flora und ihren Protesten beinhalten, denn die Alternative zur Flora ist, insbesondere angesichts der oben erwähnten Entwicklungen, eine schlechtere – nämlich: Keine. Denn es gibt nichts vergleichbares in Hamburg und in Frankfurt am Main konnten wir sehen wie sehr doch die Tristesse seit dem Verlust des IvIs Einzug hält. Sich gegen so eine Entwicklung zu stellen und sie – zumindest versuchen – aufzuhalten sollte dabei eine Selbstverständlichkeit darstellen.

Resümee: Eine kritische Solidarität mit der Roten Flora, den Protesten und den progressiven Linken in Hamburg.
Für Bleiberechte, (mehr) links-emanzipatorische (Schutz-)Räume und schöne, lebenswerte Wohnungen.
Gegen Abschiebungen, Gefahrenzone, Hamburger-SPD, Polizeigewalt und Verdrängung von Mieter_innen.

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Mitschnitt vom Podium: http://www.mediafire.com/listen/so256bahvled66m/Odysseus+Hamburg+-+Podium.mp3
Mitschnitt von der (offenen) Diskussion: http://www.mediafire.com/listen/1ycm6a6dmwy0vab/Odysseus+Hamburg+-+Diskussion.mp3

Auswertung des Landesjugendtreffens in Mühlhausen aus Sicht des LAK „emanzipatorische Kritik“

Aufkleber: Mehr Ponies in die Parlamente!

Vom 18. bis 20. Oktober trafen sich die Mitglieder der Linksjugend [’solid] Thüringen in Mühlhausen zum 14. Landesjugendtreffen (LJT). Angesichts von negativen Erfahrungen auf den vergangenen Veranstaltungen des Landesverbandes, gab es unsererseits im Vorhinein Bedenken bzgl. dieser Mitgliederversammlung. Jedoch zu Unrecht wie wir im Nachhinein resümieren müssen: Der LAK eK sieht dieses LJT als einen großen Schritt in die richtige Richtung – Weg von den ewigen Grabenkämpfen hin zu einer konstruktiven, pluralistischen und emanzipatorischen Verbandsarbeit.
Höhepunkt der Tagung war sicherlich die Wahl der Jugendkandidat_innen für die Landtagswahl 2014. Wir wünschen an dieser Stelle den nominierten Kandidat_innen Kati Grund und Christian Schaft viel Erfolg und Durchhaltevermögen für ihren Wahlkampf und sehen einer gemeinsamen politischen Zusammenarbeit wohlwollend entgegen. Selbiges gilt natürlich auch für alle anderen vom LJT gewählten Genoss_innen.
Mit besonderer Freude erfüllt uns die Gründung des LAK FeProfe (Feminismus und Profeminismus) und eines LAK AuF, der jenseits der Dogmatik des BAK AuFs agieren möchte und somit eine Plattform für reflektierten Antimilitarismus und emanzipatorische Friedenspolitik schafft. Allen neu gegründeten LAKs wünschen wir viel Erfolg bei der inhaltlichen Arbeit und erhoffen uns eine produktive Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themengebieten innerhalb des Landesverbandes. Dass diese Auseinandersetzung teilweise zwingend nötig ist zeigt nicht zuletzt auch die Debatte über den Aufkleber „Mehr Ponies in die Parlamente – Gegen Geschlechterklischees“. Wir sind erfreut, dass sich das LJT dennoch dazu entschieden hat diesen Aufkleber zu drucken und überlegen derzeit intern, ob wir nicht einen Teil unserer restlichen Verbandsmittel dazu aufwenden wollen, einen Druck dieser Aufkleber in einer höheren Stückzahl zu ermöglichen. Zudem begrüßen wir den Schritt ein Verbandswochenende an Pfingsten durchzuführen, um so die innerverbandliche Kommunikation zu verbessern. Somit wird auch das Pfingstcamp in Königsee nicht mehr vom Landesverband finanziert – wodurch einer wichtigen Forderung des LAK eK Genüge getan wurde. Wir fühlen uns daher in unserer bisherigen Arbeit bestätigt und werden diese weiter intensivieren.
In einer an das LJT anschließenden LAK Phase hatten wir zudem die Gelegenheit uns über die weitere Arbeit des LAK eK auszutauschen. So wird es demnächst noch einen Aufkleber von uns zur Kritik an Dogmen geben. Besonders gefreut hat uns jedoch die Tatsache, dass auch mehrere Interessent_innen an der Sitzung teilnahmen um sich über den LAK eK und seine Ziele zu informieren.

Insofern sehen wir der weiteren Entwicklung des Landesverbandes äußerst positiv entgegen und freuen uns auf das nächste Landesjugendtreffen, in der Hoffnung, dass die progressiven, feministischen und emanzipatorischen Ansätze dort eine Fortsetzung erfahren und der Landesverband Thüringen somit bald auch auf Bundesebene als Vorzeigemodell für einen pluralistischen Verband gelten kann.